Finanzielle Puffer aufgebraucht: Wieder mehr überschuldete Haushalte in Deutschland – Rheinland-Pfalz im Mittelfeld

17.12.2025

Finanzielle Puffer aufgebraucht: Wieder mehr überschuldete Haushalte in Deutschland – Rheinland-Pfalz im Mittelfeld

Warum steigt die Zahl überschuldeter Menschen wieder – und welche Regionen sind besonders betroffen?

Warum nimmt die Überschuldung in Deutschland nach Jahren des Rückgangs wieder zu? Der aktuelle Creditreform SchuldnerAtlas 2025 zeigt eine deutliche Trendwende: Bundesweit gelten 5,67 Millionen Erwachsene als überschuldet. Besonders betroffen sind junge Menschen, Senioren und zunehmend auch Haushalte mit mittleren Einkommen. Wie sich die Entwicklung regional unterscheidet und warum Rheinland-Pfalz leicht über dem Bundesdurchschnitt liegt, zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen.

Überschuldete Menschen

3 Minuten Lesezeit

Der Creditreform SchuldnerAtlas 2025 zeigt einen deutlichen Anstieg der Überschuldung in Deutschland. Bundesweit gelten 5,67 Millionen Erwachsene als überschuldet. Auch Rheinland-Pfalz liegt mit einer Schuldnerquote von 8,27 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt. Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Landkreisen.

Nach sechs Jahren rückläufiger Schuldnerquoten hat sich der Trend umgekehrt. Der Creditreform SchuldnerAtlas 2025 bestätigt die Erwartungen vieler Experten: Die Zahl überschuldeter Menschen in Deutschland ist wieder gestiegen. Bundesweit galten 2025 rund 5,67 Millionen Erwachsene als überschuldet – das sind 111.000 Personen mehr als im Vorjahr (+2,0 Prozent). Die Überschuldungsquote erhöhte sich von 8,09 auf 8,16 Prozent.

„Die Trendwende ist da – und sie kommt mit Ansage“, sagte Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Nach Jahren des Sparens seien die finanziellen Reserven vieler Haushalte aufgebraucht. Pandemie, Energiekrise und Inflation wirkten weiterhin nach und belasteten zahlreiche Verbraucher.

Überschuldung betrifft zunehmend auch Haushalte mit mittlerem Einkommen

Die aktuellen Daten zeigen, dass längst nicht mehr nur klassische Risikogruppen betroffen sind. Erstmals seit Jahren nahm die Zahl überschuldeter Verbraucher nahezu über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg zu.

Besonders deutlich war der Anstieg bei den so genannten „Lifestyle-Überschuldeten“ und „Überschuldungspragmatikern“. Dabei handelt es sich um Menschen mit mittleren oder überdurchschnittlichen Einkommen, die nach Jahren des Verzichts ihren bisherigen Lebensstandard durch Ersatz- oder Nachholkäufe aufrechterhalten möchten.

„Überschuldung ist kein Randphänomen mehr“, betonte Hantzsch. Zunehmend gerieten auch Menschen mit stabilem Einkommen und geregeltem Alltag an ihre finanziellen Grenzen.

Mehr harte und weiche Überschuldungsfälle

Eine Besonderheit des Jahres 2025: Sowohl die Zahl schwerwiegender Überschuldungsfälle als auch die so genannte weiche Überschuldung nahm gleichzeitig zu – zuletzt war dies 2017 zu beobachten.

Die Zahl juristisch relevanter Fälle – etwa durch Vollstreckungen, Inkassoverfahren oder Haftbefehle – stieg um rund 39.000 Fälle. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl anhaltender Zahlungsstörungen ohne rechtliche Folgen um 72.000 Fälle.

Finanzielle Probleme entwickeln sich häufig schleichend

„Wenn beide Formen gleichzeitig steigen, spricht das für eine breite strukturelle Verschlechterung der privaten Finanzen“, erklärte Creditreform-Geschäftsführer Bernd Bütow.

Viele Verbraucher rutschten nicht plötzlich in die Überschuldung. Häufig beginne der Prozess mit verspäteten Rechnungszahlungen, gefolgt von Mahnungen und schließlich rechtlichen Maßnahmen. Das gleichzeitige Wachstum beider Überschuldungsformen sei deshalb ein Warnsignal für die kommenden Jahre.

Junge Erwachsene und Senioren besonders betroffen

Überdurchschnittlich stark nahm die Überschuldung bei Menschen unter 30 Jahren sowie bei den über 60-Jährigen zu. Während jüngere Erwachsene häufig durch Konsumkredite, Onlinekäufe oder Finanzierungen in Schwierigkeiten geraten, belasten ältere Menschen steigende Lebenshaltungskosten und begrenzte Renteneinkommen. Beiden Gruppen fehlt häufig der finanzielle Spielraum für unerwartete Ausgaben.

Rücklagen aufgebraucht – finanzielle Widerstandskraft sinkt

Nach Einschätzung von Bernd Bütow liegt der Anstieg vor allem an der sinkenden finanziellen Widerstandskraft vieler Haushalte. Nach mehreren Krisenjahren seien Ersparnisse und Rücklagen vieler Verbraucher weitgehend aufgebraucht.

„Viele haben die vergangenen Jahre mit großer Disziplin gemeistert. Jetzt zeigt sich jedoch: Resilienz ist keine unerschöpfliche Ressource. Die Rücklagen sind weg, das Vertrauen ist angeschlagen – und die Überschuldung kehrt zurück.“

Creditreform erwartet weiteren Anstieg der Überschuldung 2026

Nach Einschätzung der Experten dürfte sich der Negativtrend auch 2026 fortsetzen. Steigende Zinsen, hohe Lebenshaltungskosten sowie ein schwächerer Arbeitsmarkt könnten die finanzielle Situation vieler Haushalte zusätzlich verschärfen.

SchuldnerAtlas 2025: Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen besonders betroffen

In 69 Prozent aller Landkreise und kreisfreien Städte stieg die Überschuldungsquote – doppelt so häufig wie im Vorjahr. Besonders betroffen sind wirtschaftlich angeschlagene Regionen in Nordrhein-Westfalen. Auch Kommunen in Bayern und Sachsen verzeichneten steigende Schuldnerquoten.

Rheinland-Pfalz liegt leicht über dem Bundesdurchschnitt

Für Rheinland-Pfalz weist der SchuldnerAtlas eine Überschuldungsquote von 8,27 Prozent aus. Damit liegt das Land leicht über dem Bundesdurchschnitt von 8,16 Prozent und im Mittelfeld der Bundesländer. Die niedrigste Schuldnerquote unter den Flächenländern erreichte Bayern mit 6,05 Prozent, während Bremen mit 12,11 Prozent den höchsten Wert aufwies.

Landkreis Trier-Saarburg mit niedrigster Schuldnerquote in Rheinland-Pfalz

Die geringste Überschuldungsquote im Land verzeichnete der Landkreis Trier-Saarburg mit 5,55 Prozent. Bundesweit entspricht dies Rang 63 unter 400 Landkreisen und kreisfreien Städten.

Ebenfalls zu den besten Kommunen in Rheinland-Pfalz zählen:

  • Mainz
  • Landkreis Südliche Weinstraße
  • Rhein-Pfalz-Kreis

Bemerkenswert ist auch der Vergleich zwischen Mainz und Wiesbaden: Während Mainz mit 6,22 Prozent die zweitniedrigste Schuldnerquote aller Landeshauptstädte aufweist, liegt Wiesbaden mit 12,75 Prozent auf dem letzten Platz.

Pirmasens, Ludwigshafen und Kaiserslautern mit hohen Schuldnerquoten

Am Ende der Landesrangliste stehen:

  • Pirmasens (16,86 Prozent)
  • Ludwigshafen (14,26 Prozent)
  • Kaiserslautern (12,58 Prozent)

Immerhin gingen die Quoten in allen drei Städten gegenüber dem Vorjahr leicht zurück. Besonders positiv entwickelte sich dagegen Koblenz, das bundesweit zu den Kommunen mit dem stärksten Rückgang der Überschuldungsquote zählt. Auch Mayen-Koblenz sowie Landau in der Pfalz verzeichneten deutliche Verbesserungen.

Deutschlandweite Unterschiede bleiben groß

Die Spannweite der Überschuldung bleibt erheblich. Bundesweit reicht sie vom Landkreis Eichstätt in Bayern mit 3,98 Prozent bis zur Stadt Bremerhaven mit 18,33 Prozent.

Auch innerhalb von Rheinland-Pfalz zeigen sich große Unterschiede: Während im Landkreis Trier-Saarburg etwa jeder 18. Erwachsene überschuldet ist, betrifft dies in Pirmasens nahezu jede sechste volljährige Person.

Tipp für Vermieter: Bonitätsprüfung vor jeder Neuvermietung

Unabhängig davon, wie hoch die Überschuldungsquote vor Ort ausfällt, empfiehlt Haus & Grund Rheinland-Pfalz, sich bei der Auswahl neuer Mieter nicht ausschließlich auf Selbstauskunft oder Bauchgefühl zu verlassen.

Ein Solvenzcheck vor Vertragsabschluss kann helfen, Zahlungsausfälle zu vermeiden und Hinweise auf bestehende Bonitätsprobleme zu liefern. Die Bonitätsprüfung lässt sich bequem online durchführen und kann insbesondere privaten Vermietern zusätzliche Sicherheit bieten.

  • Freigabenummer für einen Online-Solvenzcheck
  • Kombipaket: 1 Freischaltcode für einen Online-Mietvertrag + 1 Freigabenummer für einen Online-Solvenzcheck
  • Broschüre Den „richtigen“ Mieter finden (PDF-Dokument)

Mehr Informationen zum SchuldnerAtlas 2025

Weiterführende Informationen, regionale Auswertungen und alle Ergebnisse des Creditreform SchuldnerAtlas 2025 stellt Creditreform auf seiner Themenseite bereit.

Foto: yingzaast / Adobe Stock